In Wabern-Harle hat der DRK Rettungsdienst Schwalm-Eder am 1. Juni 2026 einen neuen Rettungsdienststandort eröffnet – den ersten von sechs geplanten Hilfsfristoptimierungsstandorten im Kreis. Um sieben Uhr desselben Morgens trat die erste Besatzung offiziell ihren Dienst an. Zur Eröffnung begrüßte Marco Hille vom DRK Rettungsdienst unter anderem Landrat und DRK-Kreisverbandsvorsitzenden Winfried Becker, Kreisgeschäftsführer Manfred Lau sowie den Waberner Bürgermeister Claus Steinmetz.
Steigende Einsatzzahlen, längere Wege
Das hessische Rettungsdienstgesetz schreibt vor, dass ein Rettungswagen den Patienten innerhalb von zehn Minuten erreichen soll. Dass diese Frist im Kreis zunehmend schwer zu halten ist, belegt ein 2023 veröffentlichtes Gutachten: Die Einsatzzahlen haben sich laut Landrat Becker von rund 25.000 auf etwa 50.000 pro Jahr verdoppelt, die Wege werden länger, und Patienten müssen häufiger in Kliniken außerhalb des Kreises transportiert werden. Die Patientenbindungszeit
liegt inzwischen bei nahezu 100 Minuten – Zeit, in der ein Fahrzeug vor Ort nicht für andere Notfälle bereitsteht.
Als Gründe nannte Becker eine älter werdende Bevölkerung, die Reduzierung von vier auf zwei Krankenhäuser in der Regelversorgung und Veränderungen im ärztlichen Bereitschaftsdienst. Der Schwalm-Eder-Kreis ist der zweitgrößte Flächenkreis Hessens.
Fahrzeuge in die Fläche
Langfristig beziffert das Gutachten den Bedarf auf 14 zusätzliche Fahrzeuge und 160 Vollzeitstellen. Parallel setzen die neuen Standorte dort an, wo die Frist bislang nicht eingehalten werden konnte. „Die Idee ist so einfach wie wirkungsvoll: Wir bringen Fahrzeuge in die Fläche“, sagte Marco Hille. Der Standort Wabern-Harle entstand in einer umgebauten ehemaligen Werkstatt der Familie Jäger und ist zunächst auf fünf Jahre angelegt. In dieser Zeit prüft der Rettungsdienst, wie gut das Konzept in der Praxis funktioniert.
Landrat Becker zeigte sich überzeugt von dem Ansatz: „Wir müssen auch in ländlichen Regionen den Menschen bei der medizinischen Notfallversorgung genauso gut helfen können wie in der Stadt.“
Rundgang durch den neuen Standort
Nach den Grußworten konnten die Gäste die Wache besichtigen. Marco Hille führte selbst durch den Standort, der über einen Aufenthaltsraum mit Küche, zwei Ruheräume, zwei Dusch- und WC-Bereiche, einen Lagerraum und die Fahrzeughalle verfügt. Für die Bewirtung sorgten kalte Getränke, Leberkäse und Kartoffelsalat.
